Bach H-Moll Messe (2000)

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Ruhrnachrichten 9.12.2000:

Nottuln 1.12.2000 ©SauerwaldHohe Messe: Beide Ensembles bewiesen Klasse

Annen (bol) Ungefähr  hundert Besucher standen am Samstagabend an der Uni vor verschlossenen  Türen. Das Konzert mit der berühmten "H-Moll-Messe" von J. S. Bach lockte so  viele Besucher, dass die Grenzen der Sicherheitsbestimmungen erreicht waren.  Mit dem Opus des Thomaskantors hatten sich Chor und Orchester der  Universität Witten/Herdecke das vielleicht anspruchsvollste Werk der  Musikgeschichte vorgenommen. Das Ergebnis, zu dem Universitätsmusikdirektor  Ingo Ernst Reihl (31) "seine" Leute führte, konnte sich wahrhaft hören  lassen.

Die sogenannte "Hohe Messe", die Sänger und Instrumentalisten bis  an die Grenzen des Auführbaren fordert, gab beiden Ensembles die Gelegenheit,  ihre Klasse unter Beweis zustellen. Nach der Darbietung im Saalbau setzte  die Version auf dem Campus dem Ganzen die Krone auf. Die deutlich  besseren akustischen Gegebenheiten waren dafür entscheidend  verantwortlich.

Die 120 Chorsänger zeigten, dass sie in den  zurückliegenden Monaten hart gearbeitet hatten. In seinen kunstvoll  polyphonen Sätzen hat Sebastian Bach keine Hemmungen, mit der menschlichen  Stimme umzugehen wie mit einem Instrument. Schwindelnde Höhen, "haarige"  Intervalle und die Chromatik des gesamten Quintenzirkels flößen auch so  manchem professionellen Sänger
Respekt ein.
Der Unichor zimmerte mit  der Darbietung am Samstag sein Meisterstück. Die genannten Hürden wurden  souverän genommen. Beim "Sanctus" trieb Reihl das Ganze auf die Spitze und  schlug ein so rasantes Tempo an, dass es so manchem Insider im Auditorium den  einen oder anderen Schweißtropfen auf die Stirn trieb.

Lob für  Streicher
Trotz der Größe des Chores war von Schwerfälligkeit keine Spur zu  erkennen. Das gilt auch für das schlank besetzte Orchester. Hier agierte man  trotz "moderner" Instrumente mit "alten" Spieltechniken. Die Streicher  verdienten sich viel Lorbeeren. Ein seidiger "Secco"-Strich" kam dem Klang  der Orginalinstrumente profilierter Ensembles sehr nahe. Mit der (wieder  genesenen) Dorothee Fries (Sopran), Dagmar Linde (Alt), Johannes Luig (Tenor)  und Almas Svilpa (Bass) hat UMD Ingo Ernst Reihl ebenfalls ein glückliches  Händchen bewiesen. Hier war es die Wittener
Altistin, die das Publikum mit  ihrer Mammutpartie zu Beifallsstürmen hinriss.
Die Lokalmatadorin mit  dem warmen Timbre bekam auch von den Chorsängern anerkennenden Beifall. Das  Bach-Jahr erhielt mit der Aufführung der H-Moll-Messe in Witten ein überaus  würdiges Finale.
© Westline

Johann Sebastian Bach:Accueil musicale
Messe  h-moll, BWV 232

Ausführende:
Dorothee Fries, Sopran  I
Dagmar Linde, Sopran II und Alt
Johannes Luig, Tenor
Almas Svilpa,  Bass

Chor und Orchester der Universität  Witten/Herdecke

Leitung: UMD Ingo Ernst  Reihl

  • Freitag, 01. Dezember 2000,  20.00 Uhr, St. Martinus-Kirche zu  Nottuln
    Samstag, 02. Dezember 2000,  20.00 Uhr, Städtischer Saalbau Witten
    Samstag, 09. Dezember 2000,  20.00 Uhr, Universität Witten/Herdecke, Große Halle
    Sonntag, 10. Dezember 2000 ,  20.00 Uhr, Mariendom (Wallfahrtskirche) zu Velbert-Neviges
    Sonntag, 21. Januar 2001, 18.00  Uhr, Eglise St. Merri zu Paris
WAZ Neviges 10.12.00

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Über Bachs H-moll-Messe

Johann Sebastian Bach, vor 250 Jahren gestorben, ist ein Komponist des Übergangs. Tradition und Fortschritt markieren die extremen Positionen im Leben dieses Komponisten, der gedanklich ein Kosmopolit war, wenn er auch wenig in der weiten Welt herumkam, der nicht wie Händel im Glanz lebte und in seiner Heimat weniger geachtet wurde als Reinhard Keiser, der wiederum heute ein Fall für Spezialisten ist. Bach, der die Pole weltlich (Brandenburgische Konzerte) und geistlich (Passionen) kannte und keineswegs davor zurückschreckte, sie im Parodieverfahren miteinander zu vereinen, war ein Vollender der Barockmusik und schaute weit über seine Zeit hinaus, wenn man seine „Kunst der Fuge als Gedankenmusik begreift. Bach war protestantischen Glaubens, ein Lutheraner, dessen Kantaten Sonntag für Sonntag in Leipzig die Gottesdienste bereicherten, und der mit seiner Musik ein ganz eigenes Gotteslob lieferte.

Wie die „Kunst der Fuge ist die Messe h-moll das Ausnahmewerk eines Ausnahmemusikers. Sie hat im Text durchaus lutherische Wendungen und gehört nicht in den strengen Rahmen der katholischen Liturgie; sie ist zwischen den Konfessionen überkonfessionell und schon allein deshalb kühn. Sie bietet mit 24 Chören, Arien und Duetten eine Fülle an Kunstfertigkeit, wie man sie auch in Beethovens „Missa solemnis findet. Ihre emotionale Tiefe ist ebenso ungewöhnlich wie ihre Form, die von der Tradition abweicht. Wo sonst fünf Messteile (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei) vereint sind, gibt es nun eine Vierteiligkeit bei abgewandelter Untergliederung:

1.Missa (Kyrie und Gloria)
2.Symbolum Nicenum (Credo)
3.Sanctus
4.Osanna, Benedictus, Agnus Dei, Dona nobis pacem

 Die Messe weist eine lange Entstehungsgeschichte auf. Bereits 1724 schrieb Bach ein Sanctus. Kyrie und Gloria entstanden 1733. Man könnte vermuten, daß eingedenk des Entstehungsjahres dieses Kyrie dem verstorbenen Herrscher Friedrich August I. (dem „Starken) und das Gloria dem neuen Herrscher Friedrich August II. zugedacht waren. Dass Bach beide Teile als „Missa bezeichnete, ist im Sinne des protestantschen Gottesdienstes, wo diese beiden Teile als „Messa brevis (kurze Messe) eingeführt waren. Erst kurz vor seinem Tod erweiterte Bach das Vorhandene zur großen Messe, wobei er auf frühere Kompositionen, nämlich Kantatensätze, zurückgreift. Trotz dieser heterogenen Elemente wächst alles organisch zusammen.

Anders als in den bedeutenden Oratorien nach Johannes und Matthäus fehlen in diesem Werk Rezitative. Arien und Chorsätze fügen sich aneinander, wobei die Kontrapunktik zum wesentlichen Gestaltungsmittel wird und den Chor in eine komplexe und fordernde Vielstimmigkeit führt. Die Ausdruckskraft wird besonders da innig, wo Bezug zu Jesus entsteht. Oft erscheint die Messe in majestätischem Glanz.

Wie Bach den Text sinnstiftend aufgliedert, demonstriert das Credo beispielhaft, das in acht Teilen vertont ist. Dazu gehört das Crucifixus, in dem Bach Leid und Schmerz mit den Mitteln der gesteigerten Chromatik ausdrückt, bei der Töne sich aneinander reiben; die Lamentofigur wird hier zum Basso ostinato, der sich 13 Mal wiederholt und das Grundgerüst liefert. Dieses Credo bietet sich an, auch Bachs Zahlensymbolik beispielhaft zu erläutern: Das Wort „credo erscheint 49 Mal (7 mal 7, heilige Zahl), das „in unum Deum 84 Mal (7 mal 12, 12 steht für die Apostel), die Fuge „Patrem omnipotentem besteht aus 84 Takten (was Bach am Rande der Partitur extra vermerkt), das „Et incarnatus est erklingt 19 Mal (7+12, Heiliger Geist und Menschlichkeit Mariens), im „Crucifixus stehen zwölf Akkorde (Apostel) über dem 24 Noten zählenden Bass. Die Zahlensymbolik ist Schlüssel zu vielen Werken Bachs.

Ältere Formen wie der Gregorianische Choral oder die Kirchentonarten stehen neben neuen Stilmitteln wie der italienischen Koloraturarie. Alles vereint sich zu einer Musik, die zweifellos ein grandioses Gotteslob ist, aber auch – wie in der „Kunst der Fuge – ein riesiges Kompendium, das die Kräfte bündelt und gerade in der Verwendung der Polyphonie wiederum Zukunftsmusik ist. Die Empfindsamkeit wird fortführen von dieser alten Kunst, Beethoven wird sie in seinem Spätwerk als verbindende Kraft wiederentdecken.

Ein Jahr lang für Bachs Messe geprobt

Witten - Das Bach-Jahr geht  zuende. Auch Witten gedachte mit vielen
Konzerten des 250. Todestages des  Komponisten. Unter der Leitung des
Universitätsmusikdirektors Ingo Ernst  Reihl stellen sich die Musiker ihrer
bisher größten Herausforderung: Chor und  Orchester der Universität
Witten/Herdecke führen die Hohe Messe in h-Moll  auf. Seit 1992 erarbeiten
die Musiker der Universität jedes jahr ein großes  Werk der
Oratorienliteratur. Ein Jahr lang wurde Woche für Woche geprobt,  etwa 150
Sänger und Instrumentalisten wirken mit. Solisten ergänzen den  Chor,
darunter die Sopranistin Dorothee Fries, die in Witten lebende  Altistin
Dagmar Linde, Tenor Johannes Luig und Almas Svilpa, Bass.
Die  Messe wird aufgeführt am heutigen Samstag um 20 Uhr in der  Universität,
Alfred-Herrhausen-Straße, sowie am morgigen Sonntag um 20 Uhr im  Mariendom
zu Neviges. Die Karten kosten 25 Mark (ermäßigt 10 Mark).  Kartenbestellung
unter t926-0 oder an der Abendkasse.


©  Westline


 

18.1 -

21.1

2001

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